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Begabung und Talent

Livi - 17. Dezember 2018   \\\   Licht aus:

Eine zunehmende Angewohnheit der Menschen, die mir in den letzten Jahren immer häufiger begegnet und mir gegen den Strich geht, ist das Fixieren auf Begabungen und Talent gegenüber Leistungen in bspw. künstlerischen Bereichen.

Anmerung: Der folgende Text dient zur Meinungsbildung und vertritt meine persönliche Ansicht zu dem Thema, gestützt von, hoffentlich plausiblen Argumenten. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder alle darin genannten Punkte vertritt, aber hoffe, dass die ein oder andere Person zum Denken anregt.

Sei es eine Zeichung oder Malerei, eine Geschichte oder ein Musikstück, manchmal habe ich das Gefühl, Leute sind sich nicht im Klaren darüber, wie viel Arbeit und Leistung dadrin steckt. Ich sehe zunehmend, dass Künstler Kommentare wie "So viel Talent hätte ich auch gerne" o.ä. auf ihre Kunstwerke bekommen und die Verfasser - da bin ich mir sicher - meinen das durchaus als Anerkennung der Kreation, aber ich sehe auch zunehmend - wie ich finde zu Recht - dass die Künstler solche Kommentare ähnlich sehen wie ich. Die Wirkung derartiger Kommentare ist meiner Meinung nach vergleichbar mit einer schwachen Beleidigung und ich möchte versuchen zu erklären, wieso ich das so sehe. Aber zunächst möchte ich einmal klarstellen, was ich unter folgenden Begriffen verstehe.

Arbeit: das Erbringen einer Leistung
Fähigkeit: angeborene oder erlernte Befähigung zu Taten
Begabung natürliche Anlage, angeborene Befähigung
Veranlagung: das Können Fähigkeiten leichter zu lernen
Talent: Begabung, die zu überdurschnittlicher Leistung befähigt

Menschen werde nicht mit künstlerischen Fähigkeiten geboren, sie haben vielleicht Veranlagungen, können sich Dinge leichter aneignen oder haben bspw. ein sehr gutes Gehör, welches manches erleichtert, aber ohne Eigenleistung hat niemand künstlerische Fähigkeiten. Zumal hinter Künsten teilweise Jahrhunderte an Kultur (d.h. Erfahrung, Geschichte, Wissen) stehen. Jemand der zu überdurschnittlichen Leistungen fähig ist hat theoretisch Talente, das will ich gar nicht bestreiten, die Frage ist doch aber, ab welchem Punkt ist die Leistung so überdurschnittlich, dass die Mehrheit der Menschen sie nicht erarbeiten kann?

Künstlerische Leistungen sind ein gewisser Aufwand, egal ob Veranlagung oder nicht; sie als Begabung oder Talent zu bezeichnen, verharmlost meiner Meinung nach den Aufwand dahinter. Aber worauf ich hiermit hinaus möchte ist: Ich wünschte, dass Menschen häufiger ihre eigene Wortwahl und insbesondere ihre Bedeutung hinterfragen, denn Worte haben eine große Kraft.

Salü.